„Alle Brotsorten sind willkommen“

Heute ist der Tag des deutschen Butterbrotes. Wir dachten, wir fragen da gleich bei einem ausgewiesenen Experten nach. Bernd das Brot findet das Thema allerdings ziemlich stulle

 

Am letzten Freitag des Septembers feiert man seit 1999 hierzulande den Tag des deutschen Butterbrotes. Mittlerweile gibt es die federführende CMA, die Centrale Marketinggesellschaft der Agrarwirtschaft, nicht mehr, eine Gratisjause beim Bäcker wie in den vergangenen Jahren ist damit hinfällig. Das ist schade, aber nicht zu ändern - und das Gedenken an eines der wichtigsten deutschen Kulturgüter bleibt sowieso ungebrochen. Bernd das Brot wiederum hat ausgesprochen wenig Lust, über Backwaren zu plaudern. Dabei ist der depressive Grimme-Preisträger und Star des öffentlich-rechtlichen Kinderkanals Ki.Ka eigentlich prädestiniert für ein Gespräch über Brot. Michael Bee gewann ihn für ein Interview, erfuhr dabei herzlich wenig über Stullen und musste sich dann auch noch hemmungslos beleidigen lassen.

 

Die Welt: Herr Brot, heute ist der Tag des Butterbrotes, quasi Ihr großer Tag.

 

Bernd das Brot: Ja. Jibbi. Luftballons, Feuerwerk und labbrige Currywurst in kalten Pommes. Hurra.

 

Die Welt: Hebt das Ihre Laune ein wenig, oder sind Sie gewohnt mies drauf?

 

Bernd das Brot: Ich verstehe diese Frage nicht.

 

Die Welt: Na ja, Sie als Brot müssten an einem solchen Tag doch eigentlich einen Anlass zur Freude haben.

 

Bernd das Brot: Ich sehe einen Anlass dafür, mich in ein Paket zu stecken und nach Feuerland zu verschicken. Dummerweise sind mir das Schaf und der Busch zuvorgekommen, und deswegen bin ich hier. Mist!

 

Die Welt: Sie sind selbst ein Kastenweißbrot. Was halten Sie denn von Bemme, Knifte, Stulle und Schnitte, dem guten deutschen Graubrot? Schon Goethe ließ ja bekanntlich seinen Werther ein "Butterbrod" vertilgen.

 

Bernd das Brot: Ist das eins von diesen Interviews, in dem ich stundenlang Brotwitze über mich ergehen lassen muss? Ich erkläre das Gespräch hiermit für beendet.

 

Die Welt: Aber Herr Brot, das ist gar kein Brotwitz, sondern eine ganz ernst gemeinte Frage.

 

Bernd das Brot: Das macht es nicht besser, sondern schlimmer.

 

Die Welt: Was ist Ihr persönlicher Lieblingsbrotbelag?

 

Bernd das Brot: Welchen außer keinem meinen Sie damit?

 

Die Welt: Zum Beispiel Marmelade, Honig, Schinken, eine Scheibe Cervelatwurst - oder eben Butter ...

 

Bernd das Brot: Sie sind so witzig, dass es mich am Rücken leise fröstelt. Wer immer Sie sind - ich hasse Sie.

 

Die Welt: Wenn Sie mal hinfallen - landen Sie dann eigentlich auch immer auf der geschmierten Seite?

 

Bernd das Brot: Wie ist es eigentlich, wenn Sie hinfallen? Führen Sie mir das doch mal vor. Da drüben an der Treppe vielleicht?

 

Die Welt: Herr Brot, es handelt sich hier um ein anerkanntes physikalisches Phänomen. Findige Schnittchenforscher kommen in Versuchsreihen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass Faktoren wie Brotgewicht, Fallbeschleunigung und Luftdichte in Beziehung zur durchschnittlichen Schubskraft zwangsläufig zur Butterlandung führen. Sie müssten doch als Brot auch schon damit Erfahrungen gemacht haben.

 

Bernd das Brot: Das einzige anerkannte physikalische Phänomen in diesem Raum sind meine Arme, die leider zu kurz sind, um Ihnen jetzt mal was aufzustreichen. Hab ich gerade selbst einen Brotwitz gemacht? Ich muss hier raus.

 

Die Welt: Die Deutschen verzehren jährlich etwa 80 Kilogramm Brot. Insgesamt 300 Brotsorten gibt es zwischen Nordsee und Alpen. 94 Prozent der Deutschen essen sogar täglich ihre Stulle. Was sagen Sie als Brot dazu?

 

Bernd das Brot: Das macht mich sehr, sehr betroffen.

 

Die Welt: Vollkornbrot ist nahrhafter als Weißbrot, denn es enthält mehr Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe. Vollkornbrot fördert die Verdauung, hält länger satt, und die Ballaststoffe bremsen den Anstieg des Blutzuckerspiegels. Ernährungswissenschaftler raten deshalb dazu, auf Weißbrot zu verzichten. Was halten Sie von solchen Expertenmeinungen?

 

Bernd das Brot: Ich unterstütze diese Vorschläge voll umfänglich. Lieber die als ich.

 

Die Welt: Ihre Einschätzung zu eingewanderten Backwaren wie Ciabatta, Croissant oder Baguette? Ist das deutsche Brot vielleicht sogar bedroht?

 

Bernd das Brot: Ich heiße alle anderen Brotsorten in diesem Land ausdrücklich willkommen und freue mich, wenn Sie in Zukunft ihre Interviews mit denen machen.

 

Die Welt: Der vierte Earl of Sandwich soll im Jahre 1765 das klassische Sandwich erfunden haben, weil er während einer Cribbage-Partie keine Zeit für einen anständigen Lunch hatte. Welche Gefühle hegen Sie für einen britischen Aristokraten, der Ihre Artgenossen gerne mit Mayonnaise bestreicht?

 

Bernd das Brot: Ich bin froh, dass das schon so lange her ist, und ich ihm nie persönlich begegnen werde. Wie lang dauert das hier noch?

 

Die Welt: Man zwingt Sie gerade, in einem Kinofilm mitzuspielen. Lässt man Sie eigentlich nie in Ruhe?

 

Bernd das Brot: Nein. Wie Sie deutlich am Beispiel dieses Interviews sehen können, lässt man mich nie in Ruhe. Ich hasse Kino. Es ist zu laut. Und zu bunt. Und seit neuestem auch noch 3-D. Das macht es noch lauter und noch bunter, und man sieht jetzt dank der Brille auch noch blöd aus dabei. Das Grauen.

 

Die Welt: Was haben sich Ihre schamlosen Sklavenhalter denn dieses Mal ausgedacht, um Sie vor die Kamera zu ziehen?

 

Bernd das Brot: Sie drohen mir mit Enten. Und damit, einen Kindergarten mit Fingerfarben auf mich loszulassen.

 

Die Welt: Mensch, Herr Brot. Dieses Interview war ja ziemlich unergiebig. Am besten lasse ich Sie jetzt mal in Ruhe.

 

Bernd das Brot: Das ist der beste Teil des Interviews.

 

Erschienen am 30. September 2011 in der WELT und in der Berliner Morgenpost